Marcus Armani & Thomas Siffling begeistern Publikum

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Werk der Jazzgröße Miles Davis an drei Tagen im Glashaus wieder lebendig

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Vor 60 Jahren erschien mit „Kind of Blue“ ein Jazzalbum, das bis heute verzaubert. Eingespielt hat es der legendäre US-Trompeter Miles Davis mit seiner damaligen Band. Auch mit späteren Formationen schuf der 1991 gestorbene Genrepionier wahre Meilensteine. „Ich bin ein absoluter Fan von Miles“, sagt Jeffrey Haigh von der Ladenburger Initiative im Waldpark. Deshalb freute es ihn auch besonders, dass seine Frau Jenny den in der Römerstadt lebenden Jazzgitarristen Marcus Armani für ein Wochenende zur Erinnerung an den Soundmagier gewinnen konnte.

Das Duokonzert von Armani mit seinem Freund und Musikerkollegen Thomas Siffling aus Mannheim an der Trompete markierte den Höhepunkt dieser drei Tage im Glashaus am Reinhold Schulz-Waldpark. Rund 130 Zuhörer zeigten sich davon am Samstagabend restlos begeistert. Deutlich weniger Resonanz fand der am Vorabend gezeigte Film „Miles Ahead“ von und mit Don Cheadle aus dem Jahr 2016, den sich rund 40 Musikfreunde anschauten. Am Sonntagnachmittag füllte sich das Glashaus jedoch wieder stärker: Armani leitete einen auch für Zuhörer attraktive Jamsession mit Mini-Workshop, die sich unter dem Motto „Miles-Tones“ um die Stilistik von Davis als dem „Picasso des Jazz“ (Duke Ellington) drehte. Zu den begeisterten Teilnehmern zählte auch Musiker Walter Sielski (2nd Circle).

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Beeindruckten mit Stücken des legendären Jazzmusikers Miles Davis (v.l.): Gitarrist Marcus Armani und Trompeter Thomas Siffling. © jaschke

Der Ladenburger spielt seit 50 Jahren Trompete und besitzt tatsächlich ein Instrument aus der Ära jenes 1959er Klassikers „Kind of Blue“ (etwa: Irgendwie betrübt), dessen Stücke 60 Prozent des Duokonzerts ausmachten. Auf einer solchen „Martin Committee“ pflegte Davis seine Hits zu blasen.

„Fehler im Film“


Gerne lieh Sielski dieses Instrument an diesem Abend an Siffling aus. Der Mannheimer sieht Davis als „mein größtes Vorbild“ an. Er interpretierte „Freddie Freeloader“ auf Sielskis Trompete besonders authentisch. Und heilte damit zugleich einen „Fehler im Film“ vom Vorabend, der Armani aufgefallen war: Da sei doch glatt ein anderes als Davis’ Leib- und Magenfabrikat zu sehen gewesen, weil der Hersteller der Filmtrompete den Streifen gesponsert habe, erläuterte Armani gespielt entrüstet den staunenden Besuchern. Solche Anekdoten rund um das Schaffen von Davis machten den besonderen Reiz aus: Immer wieder ahmte Armani auch mit heißerer Stimme Originalzitate aus der Biografie des schillernden Künstlers nach. Das hingerissene Publikum erfuhr Hintergründe zur Entstehung von Songs wie „Flamenco Sketches“. Ebenso eine Klasse für sich, wie diese Nummern dargeboten wurden. Gerade weil im Vergleich mit den Quintett-Originalen freilich Klangfarben fehlten. „Wir kitzeln das Wesentliche heraus, dann atmet die Musik mehr“, erklärte Siffling. Davis selbst sei es stets mehr um Emotionen und die Magie des Augenblicks als um Perfektion gegangen. Wie es dem virtuosen Duo glückte? „Sagenhaft“, fand der Ladenburger Musiker Rudolf Klee nicht als einziger.

© Mannheimer Morgen, Montag, 23.09.2019

Mannheimer Morgen besucht Session mit dem Jazzcoach

ladenburger jazz jamsesssion im januar 2017

Nachwuchs lernt Klassiker kennen


Eine wunderbare Art und Weise, einen Sonntagnachmittag zu verbringen, ist die monatliche Jazz-Jamsession in Ladenburg. In der kalten Jahreszeit treffen sich Musiker und Jazzliebhaber aus der ganzen Umgebung in der Pflastermühle. Es gibt starken Kaffee und leckeren Kuchen, den die Hausherren vom Trägerverein des Jugendzentrums "Kiste" anbieten. Und als Sahnehäubchen darf man Ausgefallenes ebenso wie gern gehörte Standards genießen, die Könner und weniger erfahrene Instrumentalisten sowie Sänger darbieten.

Die mit Abstand jüngste Teilnehmerin diesmal: Annika Baumbusch aus Edingen. Mit ihrer Geige verlieh die elfjährige Fünftklässlerin der Merian-Realschule (MRS) Ladenburg der mitreißenden Gypsy-Jazznummer "Minor Swing" eine ganz wesentliche Klangfarbe. "Das Stück find' ich cool", sagte das Mädchen, das seit fünf Jahren bei Wolfgang Grosch vom Kurpfälzischen Kammerorchester Unterricht nimmt. "Der Gitarrenlehrer meiner Mutter hat mich auf den Minor Swing gebracht", erzählt das Talent, das Schülerin einer MRS-Bläserklasse ist und auch Klarinettenunterricht an der städtischen Musikschule der Römerstadt hat. Der Gitarrenlehrer ihrer Mutter: Das ist der Ladenburger Jazzgitarrist Marcus Armani, der diese Jamsession leitet und zu einem festen Begriff in geneigten Kreisen gemacht hat.

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Junge Talente am Start: Die elfjährige Geigerin Annika Baumbusch aus Edingen (Bild links), hier an der Seite von Gitarrist Marcus Armani, glänzte am Sonntagnachmittag bei der Jazz-Jamsession in Ladenburg ebenso wie der 15-jährige E-Gitarrist Till Jülicher (Bild rechts, sitzend) aus der CBG-Bigband.

"Die Reihe hat sich total gut etabliert", zeigt sich Armani hochzufrieden, dass Musiker unter anderem aus Walldorf, Bad Dürkheim, Heilbronn und Stuttgart anreisen. Alle stünden über soziale Netzwerke miteinander in Verbindung. Und alle schätzten es, dass eine Setlist stehe und sich so auch anspruchsvollere Stücke angehen ließen. "Man kann Erfahrungen sammeln, Kollegen kennenlernen und die tolle Atmosphäre in der Pflastermühle oder im Sommerhalbjahr im Glashaus genießen", erklärt Armani. Die ehrenamtlich Aktiven des "Kiste"-Trägervereins und der Glashausinitiative im Waldpark seien der Jazz-Jamsession starke Partner. Und warum klappt das so gut, dass Routiniers und Anfänger stets harmonisch klingen? "Das liegt daran, dass eine erfahrene Rhythmusgruppe aus Bass, Schlagzeug, Klavier und auch Gitarre die Grundlage bildet, also die Form spielt, und dem Solisten zeigt, wo er ist, wenn er sich mal verirrt", erläutert der auch mit Jazz-Histörchen unterhaltende Session-Chef.

Armanis Schüler Till Jülicher zählte bei der jüngsten Auflage zu weiteren jungen Lokalmatadoren wie auch Malte Glombitza (E-Piano) und dem Schriesheim-Altenbacher Jonas Kuhlmann (E-Gitarre). Till glänzte mit seiner weißen "Telecaster" solistisch bei dem Welthit "Still Got The Blues" des 2011 verstorbenen Gitarrenhelden Gary Moore, in Ladenburg gesungen von Netsi Berhane aus Heidelberg. "Ich höre jetzt nicht gerade ausschließlich Blues, aber der Song ist gut und liegt mir", sagte der 15-jährige Schüler des Carl-Benz-Gymnasiums (CBG), wo er auch zur Bigband gehört. Seit seinem siebten Lebensjahr spielt Till schon Gitarre. Er nahm zunächst klassischen Unterricht an der kommunalen Musikschule.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 31.01.2017