Geneigtes Publikum feiert Solo um Solo

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Geneigtes Publikum feiert Solo um Solo


Ladenburg: Achtköpfiges Dozenten-Kollektiv begeistert beim „MorgenJazz“ über 400 Zuhörer auf dem Marktplatz / Ziegler lobt Musiker-Seminar und „MM“-Konzertreihe

Von unserem Mitarbeiter Peter Jaschke

Acht hervorragende Solisten und ein ebenso abwechslungsreiches wie anspruchsvolles, aber zugleich eingängiges Programm: Das "Ladenburger Jazzkollektiv" hat am Samstag beim dreistündigen "MorgenJazz" auf dem Marktplatz der Römerstadt zeitweise über 400 Zuhörer begeistert. Das fachkundige Publikum saß auf Bierbänken, auf den Stufen des Marienbrunnens und füllte bei perfektem Openair-Wetter neben Stehplätzen auch die umliegenden Straßencafés. Solo um Solo wurde mit gebührendem Applaus gefeiert.

"Es geht aber auch nicht besser. Kunst kommt eben doch von Können", findet mit Rudolf Klee einer der Mitbegründer der einst noch lebendigeren Ladenburger Jazzszene lobende Worte für den Auftritt des Oktetts, das die Qualitäten großer Bigbands und kleinerer Combos glänzend vereinte. "Es ist gefällig, aber nicht kommerziell, und kommt von Herzen", freut sich Klee. "Echt klasse", schnalzt Reinhard Schneider mit der Zunge, nachdem Spitzengitarrist Marcus Armani und Saxofon-Ass Nicolai Pfisterer das erste von drei Sets mit einer verjazzten Version von "Lucy In The Sky With Diamonds" (The Beatles) bravourös beendet hatten.

"Jazz passt zu Ladenburg." Was Bürgermeister Rainer Ziegler im "Mannheimer Morgen" vor dem 1. Jazz-Workshop unter der Regie von Armani (Ladenburg) und Pfisterer (Hirschberg) gesagt hatte, können die Organisatoren am Samstag nur unterstreichen: "Das ist eine ganz tolle Veranstaltung", sagt Armani. Er und sieben weitere Seminardozenten bildeten das "Ladenburger Jazzkollektiv". Der Gitarrist würdigte die Konzertreihe der Tageszeitung ebenso wie Zieglers Engagement für den Workshop mit über 60 Teilnehmern aus nah und fern, darunter viele junge Musiker aus Ladenburger Schulen und der Stadtkapelle.

Beispielgebend: Die 16-jährige Nachwuchssängerin Sara-Florentine Milcent lebt in Mannheim-Neckarau und hat ebenfalls am Jazzseminar teilgenommen. Auch sie ist begeistert: "Das Lehrerkonzert des Jazzkollektivs ist echt toll. Es macht Spaß, den Profis zuzusehen. Da schaut man sich schon etwas ab, zum Beispiel, wie man mit der Stimme toll improvisieren kann." Man lerne durchaus auch beim Zuhören etwas dazu, pflichtet ihr die junge Ladenburger Saxofonistin Meta Jülicher (15) bei.

Geschenkt: Die Ladenburger Schüler Jonas Rupp (13) und Marius Berlinghof (16) gehören ebenfalls zu den Teilnehmern des Jazz-Workshops, dessen Dozenten das "Ladenburger Jazzkollektiv" gebildet haben: "Es ist echt gut: Die können mit ihren Instrumenten umgehen und spielen gut zusammen", sagt Saxofonist Marius. "Das Konzert gefällt mir gut, weil die Musiker so perfekt harmonieren", erklärt Jungtrompeter Jonas und führt aus: "Besonders Heiko Hubmann überzeugt mich." Hubmann spielte Trompete und Flügelhorn. Jonas hatte das Seminar von seinem Vater geschenkt bekommen, der früher bei Funk- und Jazzbands aktiv war.

Verwandtenbesuch: Aus Bruchsal ist Anne Köhrer zum Konzert des "Ladenburger Jazzkollektivs" gekommen. Die 16-jährige Sängerin hat eine Tante in Ladenburg, die wiederum die Sängerin und Dozentin Katrin Armani kennt. Als Anne von dem parallel laufenden Jazz-Workshop des Ehepaars Armani und weiterer Jazzgrößen aus der Region hörte, war sie gleich Feuer und Flamme. "Ich habe bisher nur klassisch gesungen und hier in Ladenburg viel gelernt. Ziemlich cool finde ich auch, dass beim Dozenten-Konzert so viele Leute da sind."

"MorgenJazz belebt Stadt"

"An vielen Orten in unserer Stadt wird Musik gemacht und wird auch Jazz gemacht", gibt Bürgermeister Ziegler das Kompliment an örtliche Akteure und "Keimzellen" weiter. Im Gespräch gestand Ziegler, dass er jenen mehrtägigen Jazz-Workshop gerne wieder in der Stadt begrüßen würde. "Da werden junge Leute aus Musikschule und Bläserklassen an den Jazz herangeführt", erklärt das Stadtoberhaupt. Der "MorgenJazz", der bereits zum zweiten Mal auf dem Marktplatz stattfand, belebe die Stadt löblicherweise. Ansprechpartner für unsere Leser waren "MM"-Redakteur Dr. Klaus Backes und MorgenForum-Mitarbeiterin Dagmar Wolf.

"Die Atmosphäre hier auf dem Marktplatz mit seiner malerischen Kulisse ist berauschend. Und was hier Jazzer aus der Umgebung sind: toll", bringt es Freizeitmusiker Kurt W. Zepf auf den Punkt. Sein Urteil über das "Jazzkollektiv"? "Das dürfte das Glanzlicht dieser Reihe sein: So etwas bekommt man heute selten zu hören, eine volle Besetzung mit drei Bläsern, und dann noch in dieser Qualität."

Einen der vielen Höhepunkte bestritt Heiko Hubmann mit seinem wunderbaren Solo am Flügelhorn bei "Dear Jackman", einem Stück aus der Feder von "Kollektiv"-Posaunist Garrelt Sieben. Diese Klänge trugen die Zuhörer förmlich fort. "Mir gefällt der Stil: Dieser eher lyrische Jazz ist mir sehr recht", sagte Ziegler zum Programm, das von Bebop und Bigband-Swing über Hard-Bop und Funk bis hin zu Beatles- und Filmsongs ein überaus vielfältiges Repertoire mit einigen US-Nummern aus den 30er Jahren bot. "Das kommt unheimlich gut an, bei jungen und bei Älteren", hat die Ladenburgerin Anne Sielski beobachtet, deren Mann als Trompeter ebenfalls an der Jazzwerkstatt teilgenommen hatte.

Walter Sielski war sich als Zuhörer mit seinem früheren Bandkollegen Jürgen "Blacky" Schwarz einig: "Heiko Hubmann hat hier ganz toll gespielt und zählt zur Reihe großer Schüler von Jazzprofessor Stephan Zimmerman." Jubel riefen aber auch der großartige Gesang von Katrin Armani und die schönen Beiträge von Volker Engelberth (Piano), Martin Simon (Bass) und Wolfgang Disch (Schlagzeug) bei den Jazzfans im Publikum hervor.



© Mannheimer Morgen, Montag, 23.06.2014