Swing liegt noch bis Sonntag in der Luft

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Gestern, kurz nach neun Uhr am Morgen: Vor dem Domhofsaal stapeln sich Taschen und Instrumentenkoffer. Ihre Besitzer haben im Saal selbst Platz genommen - rund 100 Musiker aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. "Ich bin überwältigt", freut sich Nicolai Pfisterer. Der Leutershausener Saxofonist hat zusammen mit dem Römerstadt-Gitarristen Marcus Armani den 2. Ladenburger Jazz-Workshop auf die Beine gestellt.
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Ein erster Höhepunkt soll das Konzert der neun Dozenten am heutigen Freitag sein. Es findet um 19 Uhr in der "Pflastermühle" des Jugend- und Kulturzentrums "Kiste" statt. Bis Sonntagnachmittag erweitern die Profijazzer aus der Region den musikalischen Horizont der Teilnehmer. Um 16 Uhr treffen sich dann alle zum großen Abschlusskonzert vor der Sebastiankapelle. "Ich möchte über meinen Tellerrand hinausschauen und finde es sehr gut, dass zum Beispiel Harmonielehre und Gehörbildung dabei sind", erklärt Mario Ricketts. Da der Frankfurter erst seit vier Jahren E-Bass spielt, erhofft er sich auch neue Impulse für seine Zusammenarbeit mit einem Gitarristen und das geplante Mitwirken in Jazzformationen. Denn auch Ensembleunterricht gibt's täglich in Domhof, Dalberg-Schule und "Pflastermühle".

"Ich habe mir bewusst einen Workshop ausgesucht, bei dem Deutsch gesprochen wird", erklärt der englische Schlagzeuger Mohan Maghera, der aus der Nähe von Luton kommt. Der Ingenieur hat vor zehn Jahren in München und Dresden gearbeitet. "Ich möchte meine Sprachkenntnisse auffrischen und dies mit meinem Hobby kombinieren: Der täglich mehrstündige Instrumentalunterricht interessiert mich hauptsächlich", sagt Maghera astrein auf Deutsch. Er hatte auch ein Sommerseminar in Berlin im Auge gehabt. Aber Ladenburg war für ihn mit dem Auto besser erreichbar.
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"Außerdem dachte ich, Anfang Juni wird es noch nicht so heiß", sagt Maghera schmunzelnd und zupft angesichts der vorhergesagten Temperaturen an seinem Hemdkragen. Mit Graham Jones nimmt ein weiterer Engländer am Schlagzeug-Unterricht des Mannheimers Wolfgang Disch teil. Mister Jones wohnt aber in Ladenburg. Er hatte als Jugendlicher dem Beat gefrönt. Nach 35-jähriger Pause sitzt er jetzt auf dem Schlagzeughocker der Bürger-Jazzcombo, die Organisator Armani bei der Eröffnung ebenso hervorhob wie sein Jugendjazzensemble und den Sommerjazz im Glashaus ab 21. Juni.
"So etwas findet man nicht überall", sagte Armani auch unter Hinweis auf die Zusammenarbeit mit dem Hotel "Zur Krone". In dessen Gewölbekeller findet am Samstagabend um 19 Uhr eine Jamsession statt. Dass dieser Workshop "ein Gewinn für alle" sei, daran ließ Musikfreund Martin Schmollinger bei der Begrüßung keinen Zweifel. Als Bürgermeister-Stellvertreter sagte er auch für künftige Auflagen die Unterstützung der Stadt zu und wünschte "allen, dass Sie am Sonntag sagen können: Das war wieder ein tolles Ding in Ladenburg."


© Mannheimer Morgen, Freitag, 05.06.2015